Aus einem Drehbuch

Hier könnt Ihr Auszüge aus Euren Büchern, Manuskripten veröffentlichen.
Bei der Länge kommt es sicher auf den Inhalt an, dennoch reichen evtl. 2 DIN A Seiten aus.

Aus einem Drehbuch

Beitragvon Gerlinde » Freitag 31. August 2018, 02:04

Da man Drehbücher/Bücher hier nicht speichern kann (als PDF), möchte ich Euch eine Drehbuchszene zeigen. Die Formatierung kann, wie ich festgestellt habe, nicht übernommen werden.
Darum geht es:
Thomas, der eine Hexe geheiratet hat, was er zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, macht sich Hoffnung auf die Stelle des Stationsarztes in der Klinik, wo er als Psychiater arbeitet. Er wird in das Büro seines Chefs Josef gerufen.

15 INNEN. KLINIK/BÜRO JOSEF - VORMITTAG 15
Das saubere, aber unordentliche Büro eines Arztes. In der Ecke die Nachbildung eines Skeletts, an den Wänden Bilder
neurologischer Erkrankungen, und auf dem Tisch eine Unzahl von Aktenordnern und Blättern.
JOSEF (55), ein kränklich aussehender kleiner Mann, der ein wenig an Sigmund Freud erinnert, sitzt hinter dem Schreibtisch, und studiert einen Ordner. Er lächelt.
JOSEF

Da werden wir wohl hier und da ein paar kleine Zahlen verändern müssen. (lacht) Die Krankenkasse zahlt ja alles!

Es KLOPFT an der Tür. Josef schließt den Ordner, blickt zur Tür.

JOSEF (WEITER)
Herein.

Die Tür öffnet sich, Thomas kommt herein.

THOMAS
Sie wollten mich sprechen, Chef?

Josef überlegt kurz, dann fällt es ihm wieder ein. Er drückt auf eine Taste der Sprechanlage.

JOSEF
Bettina, bitte bringen Sie meinen Neffen in mein Büro. (kurze Pause) Ja, sofort! (zu Thomas) inen Augenblick noch, Kollege.

THOMAS
(neugierig) Um was geht es denn, Chef?

JOSEF
Um die frei gewordene Stelle des Stationsarztes.

THOMAS (V.O.)
Bestimmt ruft der alte Fuchs seinen Neffen, um ihn zu sagen, dass ich sein Boss sein werde! (grinst) Auf sein Gesicht freu ich mich schon!

Die Tür geht erneut auf und PAUL (35), klein und dick, kommt herein.

PAUL
Du wolltest was von mir, Onkel?

JOSEF
(väterlich) Setz Dich, mein Junge.

Paul blickt Thomas abschätzend an. Er lächelt. Dann setzt er sich demonstrativ in die Nähe seines Onkels, fixiert Thomas mit seinem Blick.

JOSEF (WEITER)
Wie ihr wisst, ist der leitende Stationsarzt, der Kollege Sebastian Vogel, vor zwei Tagen in Pension gegangen. Und die Stelle muss nun neu besetzt werden. Ich als Klinikleiter habe nun die Entscheidung getroffen, wer von Ihnen es sein wird.

Thomas lächelt siegesgewiss, während Paul geheimnisvoll blickt, was Thomas etwas verwirrt. Josef steht auf, reicht Paul die Hand.

JOSEF (WEITER)
Herzlichen Glückwunsch, mein Junge!

Paul ergreift die Hand seines Onkels.

PAUL
Danke, Onkel Josef! Ich werde Dich nicht enttäuschen!

JOSEF
(lächelt) Das weiß ich, mein Junge! (zu Thomas) Und ich hoffe, Kollege Holzmann, dass Sie unter der Leitung meines Neffen genauso effektiv arbeiten werden, wie unter seinem Vorgänger Sebastian Vogel.

Ungläubig blickt Thomas auf Josef, dann auf den triumphierend grinsenden Paul. Langsam begreift er.

THOMAS
(leicht wütend) Das ist nicht fair! Nein, das ist ganz und gar nicht fair. (wütender, lauter) Ich arbeite seit Jahren hier, habe mir für die Klinik den Arsch aufgerissen, auf alles verzichtet, und Ihr Neffe, Paul, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, bekommt den Job?(MEHR)
THOMAS (WEITER)
(schreit) Das ist Vetternwirtschaft!

JOSEF
Mäßigen Sie sich, Kollege!

PAUL
Sonst wirft mein Onkel Sie gleich raus! Nicht wahr, Onkel?

Thomas blickt wütend auf Onkel und Neffe. Ihm liegt was auf der Zunge, aber er schluckt es herunter.

JOSEF
Da fällt mir ein, ich habe Ihnen ja noch gar nicht zur Hochzeit gratuliert.

Er reicht Thomas die Hand. Abrupt dreht sich Thomas um und geht.

Diese Szene hat einen Anfang, eine Mitte, und ein Ende. Sie besteht aus Exposition, Konfrontation und Schluss. So, wie bei einem ganzen Buch/Drehbuch.
Gerlinde
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