Fragen nagen

Gedichte über Stimmungen, Gedanken

Fragen nagen

Beitragvon Stiekel » Samstag 27. Juni 2020, 17:08

Schlafe, wache und sinniere
lebe in den Tag hinein,
doch alles dreht sich nur um mich.
Bin isoliert und oft allein.

Sehnsucht zehrt die Schaffenskraft,
möchte euch im Arme halten.
Doch kuscheln kann ich nur im Traum,
mit euch meinen Tag gestalten.

Das Leben möchte ich zurück,
alle Freunde um mich scharen.
Doch dieser Virus legt mich lahm.
Alleine darf ich Fahrrad fahren.

Bin ich wirklich so gefährdet,
dass Gemeinschaft nicht mehr geht.
Bin ich es vielleicht wohl selber,
der mir hier im Wege steht?

© Sabine Brauer
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Nur wer sich selber liebt ist fähig,
auch andere zu lieben.
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Re: Fragen nagen

Beitragvon gerhard » Samstag 27. Juni 2020, 19:18

Sehr schön geschrieben und sehr ausdrucksstark!

Und ich kann mich in diesem Text gut wiederfinden!
Wo war ich zwei Monate(!) lang? In meiner Wohnung,von der ich auf
das Linzer Neue Rathaus blicke.

Zwei Monate konnte ich in „meiner“ Bücherei niemandem bei der Suche nach interessanten
und schönen Büchern und Filmen helfen -über Bücher (über die Dreyfusaffäre(„Intrige“),Hitler und Stalin
(„Bloodlands“) und über Thomas Mann)und Filme („Für immer jung?“Über den Film „Für immer Adaline“,der die tragische Geschichte einer Frau behandelt,die seit ihrem 29.Lebensjahr nicht mehr altert)konnte ich SCHREIBEN!

Jedes Jahr bin ich zu Ostern bei meinen Freunden:wie schön,im Garten Eier kullern zu lassen und Nester zu suchen!
Aber diesmal war Ostern in der Corona-Zeit. Auch über Gottesdienste konnte ich nur schreiben!

Ich kann nun wieder wellnessen und in die Sauna.
Ich kann wieder in der Bücherei arbeiten.
Ich kann wieder in „meine“Kirche gehen!
Ich kann an Demos für die Flüchtlinge in Griechenland (siehe:“Was hätten die alten
Griechen gesagt?“)und gegen die schreckliche Polizeigewalt in
den USA teilnehmen.

Woran ich NICHT teilnehmen wollte,das war eine“virtuelle Tagung“:
Jedes Jahr(2021 wieder)treffen sich die österreichischen Amnestymenschen,
tauschen sich aus,haben auch Zeit zum abendlichen Plaudern und zur nächtlichen Disco!

Aber dafür konnte ich meinen Urlaub ,“nach“(???)Corona,bei lieben Freunden in Wien verbringen!(wo ich mit „Einbahnregel“und Schutzmaske im Naturhistorischen Museum unterwegs war)

Zu welch absurden und schrecklichen Dingen der Virus führte und führt:in deutschen Schlachthöfen,in Flüchtlingslagern.
Einsame Menschen im Seniorenheim, mehr“häusliche Gewalt“!
Und ist/wäre es nicht schöner,eine nette Frau kennenzulernen,als bloss,von einem Bild inspiriert,über eine möglicherweise nette und interessante Frau (die mit dem Hund!)zu schreiben?

Uff,schon wieder so lang und so viel!Aber dein schön und poetisch geschriebener Text hat mich“einfach“
genau richtig „erwischt“: als ein aktuell-schöner Text,den in“Nach Corona“(???)Zeiten sicher viele gut mitempfinden können!
gerhard
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Re: Fragen nagen

Beitragvon genok » Sonntag 28. Juni 2020, 07:16

Der Rhythmus stimmt - genau wie der elementare Inhalt.
Wer hat nicht auch schon am Ende dieses Fragezeichen gesetzt ?
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