Wissenswertes über Entdecker und Naturvölker

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Wissenswertes über Entdecker und Naturvölker

Beitragvon gerhard » Mittwoch 29. Juli 2020, 07:08

"Hallo,hier ist Radio Feel Good! Heute ist Sophie Steiner bei uns zu Gast! Sie hat uns gleich gesagt,
dass wir einfach Sophie und Du zu ihr sagen können! Also,hallo,Sophie,was möchtest du uns heute erzählen?"

"Also,ich bin die Sophie,und ich bin Diplomsozialarbeiterin und arbeite in der "Arche",einer Sozialeinrichtung der
Diakonie,mit Obdachlosen und für sie. Ich möchte euch,liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,einiges über "Entdecker"
und über die von diesen "entdeckten" Menschen -also die "Naturvölker" bzw."Eingeborenen" - erzählen.

Ich bin 36,und ich erlebte,das ist wichtig,damit ihr mich gut verstehen könnt,mit 14 Jahren einen erheblichen
seelischen Schock:

Ein Junge,der an sich gern mit mir "gegangen" wäre,sagte sehr unverhohlen"Du bist ja eine
Lesbe.Mit Lesben will ich nichts zu tun haben!" zu mir. Das verursachte bei mir einen so erheblichen seelischen
Schmerz, dass ich bis zu der Zeit,wo ich meine jetzigen liebevollen Partnerinnen,Mona und Lisa,die sich
gern "Monalisa"(die Radiohörer hören ein Kichern!)nennen, kennenlernte, keine Beziehung eingehen konnte!

Umsomehr stürzte ich mich in soziales Engagement,und sehr lange war meine soziale Arbeit für mich eine
Möglichkeit,Liebe zu geben, und die Dankbarkeit der betreffenden Menschen"Schön,dass du dich so gut um uns
kümmerst!"eine Möglichkeit,Liebe zu bekommen!
Jetzt,wo ich Teil eines sehr glücklichen "Trios" bin, ist die soziale Arbeit ein wichtiger Teil meines Lebens,aber
nichts mehr,das mir etwas anderes ersetzen "muss"!"

"Und wie kommst du jetzt auf das Thema "Entdecker"?"

"Naja,die "Entdecker" wurden ja sehr,sehr lange aus europäischer Perspektive wahrgenommen: die tollen Forscher
und Entdecker,natürlich auch die Missionare,die zu den "Wilden" kommen! Eine Folge davon war,dass die "Wilden"
auf kommerzielle Produkte kamen -Kaffee mit dem "Mohren"drauf und so was! - und selbst zu einem "Produkt"
geworden sind:etwa bei "Völkerschauen",wo "Eingeborene" nicht anders als Tiere in einem Zoo zur Schau gestellt
wurden!"

"Wie würdest du deinen Bezug zu dem Thema beschreiben,Sophie?"

"Mein Bezug dazu ist mein grosses Interesse an Menschen,unter anderem an Psychologie,an Anthropologie und
an Völkerkunde,und natürlich mein Lesbischsein.


Wie gesagt, vermeinten die meisten "Entdecker",zu "Wilden" zu kommen! Umsomehr stechen die Ausnahmen hervor:

Für den grossen deutschen Völkerkundler Leo Frobenius,der mit dem letzten deutschen Kaiser,Wilhelm II,sehr
gut befreundet war,wäre es eine doppelte Kränkung gewesen,die Afrikaner als "Wilde" zu bezeichnen:ihm gegenüber,
der die afrikanischen Kulturen bewunderte,erforschte und auch die "materiellen" Teile dieser Kulturen - Kunstgegenstände
und so - sammelte, und natürlich den Afrikanern gegenüber!

Viele heutige afrikanische Staaten,wie Benin,Ghana,Mali,Zimbabwe,sind nach diesen bedeutenden altafrikanischen
Kulturen benannt! Aber kein Afrikaforscher war,obwohl daheim,wenn er an der Universität lehrte,ein"trockener
Gelehrter",auf seinen Reisen ein derartiges Kommunikationsgenie wie Heinrich Barth:

Durch die Art und Weise,wie er auf die Menschen zuging und seine enorme Sprachbegabung nutzte und einsetzte:
weil er die Menschen kennenlernen und mit ihnen kommunizieren wollte: DAFÜR lernte er fliessend Französisch,
Englisch,Spanisch,Italienisch,Türkisch,Arabisch und sechs westafrikanische Sprachen! Ähnlich verhielt sich David
Livingstone im südlichen Afrika,der nach seinen ersten 16 Jahren in Afrika wieder Englisch(!)lernen musste,
und nicht anders Alexander von Humboldt in Südamerika.

Kein Wunder also,dass eine Fähre über den Nigerstrom,also etwas,das "verbindet",gerade nach Heinrich Barth
benannt wurde!"

"Und wie sieht`s nun mit den von den "Entdeckern" "aufgefundenen" sogenannten Naturvölkern aus?"

"Das war von der Perspektive und den Absichten der jeweiligen Reisenden abhängig: der "Kolonialpionier"Carl Peters
war sehr verärgert,als sein schwarzer Diener mit seiner schwarzen Konkubine Sex hatte: er liess beide aufhängen
und die Dörfer,aus denen sie stammten,komplett zerstören!

Um die Schlafkrankheit zu bekämpfen,wurden mögliche Mittel dagegen an "Eingeborenen" getestet! Eigentlich
nicht anders als Medikamente bei den "medizinischen Experimenten" in Konzentrationslagern!

In den Polargebieten hätten Robert Peary und Frederick Cook nicht unterschiedlicher sein können:
Peary hatte einen afroamerikanischen "Diener",der 16 Jahre mit ihm zusammenarbeitete und der sehr
gut mit den Inuit,die ihn als ihren"Bruder" ansahen, umgehen konnte! Er hatte auch mal Peary das Leben gerettet!
Aber nachdem Peary nach vielen Forschungsreisen nicht mehr in die Arktis zurückkehrte, hatte er auch niemals
mehr Kontakt mit Matthew Henson - was diesen menschlich sehr verletzte!

Peary hatte auch eine Iniuit-Geliebte und mit der Kinder - aber er kümmerte sich weder um diese Frau noch
um diese Kinder! Er beförderte auch Inuit nach Amerika:vier starben,und ein überlebender junger Mann erlebte
den Schock seines Lebens,als er in einer Vitrine das Skelett seines Vaters vorfand!

Frederick Cook hingegen bewunderte die Inuit und ihre Lebensweise!

Ebenso wie auch Nansen und Amundsen! Und natürlich der Forscher Rasmussen,der eine"Eskimo"mutter hatte!"

"Darf ich dir,Sophie,eine besondere Frage stellen? Deine Beziehung zu deinen Partnerinnen ist ja auch sexuell!"
"Ja,klar ist sie das,und es ist schön,dass das so ist! Ich war sehr,sehr schüchtern,ich wollte ja Beziehungen eigentlich
sogar vermeiden! Weil mir so wehgetan worden war und der Schmerz so stark in mir sass! Mona und Lisa geben
mir soviel Halt und liebevollen Beistand,und darum "dürfen" sie auch"mehr": das heisst,um es mal so wie
eine Sexualwissenschaftlerin auszudrücken,dass erogene Zonen zur gegenseitigen Lustgewinnung "zusammengeführt"
werden: wenn meine Lippen an ihren besonders reizvollen Stellen sind!

Das ist jetzt schon deutlicher,nicht wahr? Als ich dies das erste Mal erlebte,schoss ein emotionales Feuerwerk in
den Himmel und tausend Liebessterne haben am Himmel geleuchtet und gefunkelt - und in mir!"

"Und gibt es "das" bei den Naturvölkern auch?"

"Oh ja! In Südafrika gab es Frauenhochzeiten! In Mombasa in Kenya gab`s ein richtiges Netz lesbischer Paare!
In Nigeria wurde eine Lesbe als "Kifi" bezeichnet, bei den Swahili gab`s bei homosexuellen Beziehungen den
"Mashoga"und den "Basha"(klingt sehr ähnlich wie "Pascha",nicht wahr?)! Und manche "Mashogas" und "Bashas"
wollten bei ihrem geliebten Mann bleiben -weshalb es dann der Bruder in solchen Fällen übernahm,der Frau
ein Kind zu machen -so war für Nachwuchs gesorgt,und der "Basha"konnte dennoch bei seinem Mann bleiben!"

"Aber,Sophie,warum werden nun gerade in Afrika viele "Schwule"verfolgt und ermordet?"

"Weil die "Kolonialherren" ja in der Zeit ihrer Herrschaft sehr viel auch in den Kulturen zerstört haben! Bei
dem berühmten Volk der Ashanti,wo der König auf dem Goldenen Thron in Kumasi sass,konnte der ohne die
Ashantihina,meist seine Mutter oder Tante,überhaupt nicht König werden! Sie sass im Rat,sie stand einem
eigenen Rat vor,sie war für Frauenangelegenheiten und so zuständig! Nichts konnte ohne sie entschieden
werden!
Für die braven viktorianischen Forscher,Entdecker und Missionare war diese starke Machtstellung von
Frauen etwas Unfassbares und Unbegreifliches! Und über die erwähnten lesbischen und homosexuellen
Gebräuche waren sie ohnehin schockiert!

Und schliesslich,nach den Jahrhunderten der Kolonialherrschaft,kamen afrikanische Männer an die Macht,
die sich als "Häuptlinge" ,"Clanchefs","Chiefs" fühlten,aber zu den altafrikanischen Kulturen keinen Bezug mehr
hatten:"Ich bin der Chief,ich herrsche,ihr Weiber habt zu gehorchen:Damit ihr noch besser gehorcht,schneiden
wir euch die Schamlippen und die Klitoris ab und nähen das ganze mit Dornen zusammen! Und diese"unmännlichen"
Kerle,diese Schwulen,die haben überhaupt keine Existenzberechtigung!"

"Sophie,du hast uns schon vorhin auch etwas über die unterschiedliche Sichtweise diverser Wissenschaften
auf die Sexualität erzählt!"

"Ja,genau! Also,Anthropologen wollen eine Antwort darauf finden,warum wir uns so verhalten,wie wir es eben tun,
sexuelles Verhalten inbegriffen: wenn sich so ein Wissenschaftler eine "Steinzeithorde" vorstellt,dann denkt er
an eine Wohnhöhle,wo zuerst der darin lebende Höhlenbär abgemurkst wird und sich dann die Gruppe darin
häuslich einrichtet! Dann ziehen die Frauen ausgiebig in der Umgebung rum,sammeln Pflanzen und Früchte und
finden heraus,welche essbar und welche giftig,welche nützlich und welche schädlich sind und welche sogar
Heilkräfte haben! Und aus diesen Frauen sind dann "weise Frauen" und Schamaninnen geworden!

Und weil die Männer oft auch länger losgezogen sind,um sich auf die Suche etwa nach einem leckeren Mammut
zu machen, waren dann die Frauen unter sich - quasilesbische Beziehungen inbegriffen!
Die Männer wiederum waren dann auch sehr lange unterwegs,bis sie auf das herrliche Mammut gestossen sind:
und weil das Vieh so gross und so schwer zu erlegen war,haben sie sich dann oft mit anderen Männern aus
anderen Gruppen zusammengetan: was übrigens ein Klischee über die Steinzeit widerlegt:

Dass "wir"deshalb so viele Kriege führen würden,weil wir "das Aggressive" von den Steinzeitmännern "geerbt" hätten!
Tatsächlich war es viel häufiger,dass Steinzeitmänner für die Jagd und so zusammengearbeitet als dass sie sich brutal bekriegt
haben! Und natürlich haben auch diese Steinzeitmänner quasihomoerotische Beziehungen gehabt!

Völkerkundler,auch Völkerkundlerinnen haben auf Sexualität eine andere Sichtweise: Die nehmen Sexualität
oft nur unter einem einzigen Aspekt wahr: nämlich dem Bezug zum sonstigen Sozialverhalten.

DA die sexuell "freizügigen" Völker,wie die Inuit,die in ihren Iglus,Frauen inbegriffen,nackt rumgelaufen sind und
wo sich obendrein Frauen sehr "gastfreundlich" den Gästen auch sexuell "angeboten" haben: auch in der Partnerschaft
und Kindererziehung sehr friedliebende Menschen!

Bei diesen friedlichen Völkern auch eigene "Jugendhäuser",wo Jugendliche beider Geschlechter unter sich waren
und die jüngeren von den älteren Sex"gelernt" haben!

Aber DORT die "sexuell restriktiven" Völker,die vielfach sehr kriegerisch waren und wo es auch"dazugehörte",
dass den "erlegten Feinden" die Hoden abgeschnitten wurden!

Und viele Völkerkundler,auch Völkerkundlerinnen wie Margaret Mead haben sich so auf diesen sozialen Aspekt
von Sexualität konzentriert,dass sie sich für eventuelles homoerotisches und lesbisches Verhalten bei den "Naturvölkern"
gar nicht interessiert haben!"

"Vielen Dank,Sophie! Du hast uns heute geholfen,viel Interessantes zu entdecken und so auch selbst zu "Entdeckern"
zu werden!"

Die Sendung klingt mit afrikanischer Originalmusik aus!!
gerhard
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