Der Lügner

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Der Lügner

Beitragvon gerhard » Samstag 25. Juli 2020, 17:11

Der tüchtige Manager,der Mitorganisator der Judenverfolgung und des Einsatzes von Arbeitssklaven aus Osteuropa
für die Rüstungsindustrie, der Rüstungsminister,der bis zum Schluss für eine"effiziente" Rüstung sorgte,
war auch ein sehr begabter Lügner:

Was,er sollte für die Arbeitssklaven und ihre "Behandlung" verantwortlich sein? Nein,das war natürlich sein
Mitarbeiter Fritz Sauckel,der dann auch hingerichtet wurde - während er sich so geschickt herauswand,dass ihn
auch und vor allem die alliierten Ankläger für einen"guten Nazi" hielten! Und wie bitte,er sollte gleich nach
Kriegsbeginn in allen möglichen Teilen Europas Bauten für die Rüstung errichtet haben?

Angeblich hatte er der Rede Heinrich Himmlers 1943 in Posen("Wir wollen einmal über etwas reden und dann
nie wieder etwas darüber sagen:Ich meine die Ausrottung des jüdischen Volkes") zugehört -gar nicht wahr,
er hatte Himmler höchstens 2,3 mal gesehen!
Hatte er von Auschwitz gewusst? Einmal hatte er davon gehört! War er mal in einem KZ gewesen? Ach ja,
in dem Nebenlager in einem Industriebetrieb,wo er sich natürlich sogleich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen
der Sklavenarbeiter eingesetzt hatte!("Danke,dass wir nicht mehr ins KZ müssen!")

Und natürlich hatte er am Ende des Krieges den Zerstörungsbefehl von Hitler("Nerobefehl")verhindert und natürlich
hatte er ein Attentat auf Hitler geplant.
Aber sicher doch! Dass ihn Hitler so liebte wie sonst nur Rudolf Hess("Mein Rudi,mein Hesserl"),dass beide
ausgiebig am Berghof herumspazierten,dass sie sich begeistert über Architekturprojekte unterhalten hatten,
war natürlich auch alles nicht wahr!

Und erst die Behauptung,er und andere hochrangige Nazis wären emotional kalt gewesen,hätten alles für den
"Führer" getan und ihre Frauen und Kinder hintangestellt!

Und was hatte dieser Jean Amery behauptet? Er sei in "Dora Mittelbau",einem unterirdischen Stollen,wo Rüstung
hergestellt wurde,gewesen,es hätte dort schreckliche Arbeitsbedingungen gegeben, Menschen seien an Drahtseilen
aufgehängt worden! Dieser Kerl hatte längst Selbstmord begangen,während er Bestsellerautor und dadurch
längst Millionär war!

So wie sein guter Freund Joachim Fest,der sich für einen "grossen Historiker" hielt und für eine tausendseitige Hitlerbiografie
in keinem einzigen Archiv recherchierte und den Holocaust grad mal auf 6 Seiten vorkommen liess, schaffte er
es, in seinen "Erinnerungen" ein Drittes Reich ohne Krieg,ohne Judenverfolgung und ohne Vernichtung"unwerten Lebens"
darzustellen! Und der Freund,dessen Hitlerbuch auf dem beruhte,was er ihm erzählt hatte, revanchierte sich mit einer Biografie über ihn,bei der er ebenfalls wesentliche Fakten
grosszügig unter den Tisch fallen liess!

Der Herausgeber der dicken Hitlerbiografie hatte als 17jähriger über die Vernichtung der Juden gehört,von der
der "tüchtige Manager" kaum etwas gewusst haben wollte! Klar,es gab Störenfriede wie diesen angeblichen
"Literaturpapst" Reich Ranicki,der ebenso wie dieser Nazijäger Wiesenthal sehr jüdisch aussah!

Der behauptete,im Warschauer Ghetto gewesen zu sein und dort gleich mal,in einem mit Juden vollgestopften
Haus, eine junge Frau(die er dann heiratete)getröstet zu haben -weil sich kurz zuvor ihr Vater erhängt hatte!
Und wie pikiert dieser "Literaturpapst" und seine Frau geschaut hatten,als sie ihn gesehen hatten - und erst recht,
als er(nicht dieser Reich Ranicki!) über die Hitlerbiografie "Ihm hätte es gefallen!"gesagt hatte!


Als der tolle"unpolitische Manager",der von nichts gar nichts gewusst haben wollte,aus der Haft in Spandau
entlassen worden war,war er umarmt und von Frauen geküsst worden! Auch jetzt von einer attraktiven
jungen Reporterin,deren zeitgeschichtliches Wissen sich sehr in Grenzen hielt und die auf ihn genauso reinfiel,
wie dies den meisten,die dem soignierten, distinguierten,freundlich-distanzierten älteren Herrn begegneten,
erging!

Diesen Baldur von Schirach hatte ausser seinen Söhnen niemand umarmt! Dieser erbärmliche Tropf: hatte
sich 1945 selbst gestellt,weil er"die Verantwortung für die Hitlerjugend" übernehmen wollte! Und in
Nürnberg hatte er sich hingestellt:"Ich habe die deutsche Jugend für einen Mann erzogen,der ein millionenfacher
Mörder gewesen ist!" Erbärmlich!!

Oh nein,er hatte über die Verbrechen nichts gewusst,sondern war einfach Architekt und dann Minister gewesen,
mehr nicht! Viele glaubten ihm diese Selbstinszenierung, und über diejenigen,die ihn kritisierten,dachte
er sich distinguiert:"Die Hunde bellen,die Karawane zieht vorüber!"

Und nach dem Interview,kurz vor dem Tod des älteren Herrn(1981),der bis zuletzt für Interviews sehr gefragt
war, (er starb,nachdem er seine Frau,die 50 Jahre an seiner Seite gewesen war, "nicht mehr brauchte",beim
Zusammensein mit einer Geliebten an den Folgen eines Schlaganfalls) bedankte sich die attraktive junge
Reporterin,wie gesagt auch mit einem Kuss: "Vielen Dank,Herr Speer!"

Aber auch vielen Dank für das grosse und aussergewöhnliche Engagement seiner Tochter Hilde Schramm,
über das ihr,liebe Leserinnen und Leser,in meinem Beitrag "Die Verbrechen nie vergessen!" nachlesen könnt!!
gerhard
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