Alles Gute zum Geburtstag, Alles Gute für Mich!

Feiertage - Geburtstage
Antworten
gerhard
Eifriger Schreiber
Eifriger Schreiber
Beiträge: 443
Registriert: Mittwoch 15. Januar 2020, 10:48
Wohnort: Linz
Kontaktdaten:

Alles Gute zum Geburtstag, Alles Gute für Mich!

Beitrag von gerhard »

Ich teile meinen Geburtstag, den 29.November, mit Wilhelm Hauff("Kalif Storch" usw.), Henri Toulouse-Lautrec und noch anderen - und
mit dem Österreichischen "Staatsvertragskanzler" Julius Raab, der an dem Tag, an dem ich zur Welt kam, 70 wurde - und da schon auf
ein beachtliches Lebenswerk zurückblieben konnte:

Er war gelernter Baumeister und wurde wegen seiner Leistungen beim Wiederaufbau
meines Heimatlandes nach dem 2.Weltkrieg als "Baumeister der Republik" bekannt! Raab war stolz darauf, dass in "seiner" Zeit als Bundeskanzler
der Österreichische Staatsvertrag zustande kam - und er konnte sehr stolz darauf sein, als Offizier im 1.Weltkrieg "seine" Einheit bis heim
nach Niederösterreich gebracht zu haben - und er freute sich und war glücklich, als sie dann alle wohlbehalten zuhause waren!

Weil eine der vier Besatzungsmächte in Österreich, die Sowjetunion, für ihre Zustimmung zum Staatsvertrag eine "Garantie" verlangte,
boten die österreichischen Politiker den Russen "eine Neutralität nach Schweizer Vorbild" an. Und der Nicht-Jurist Julius Raab las das
Gutachten, das ein Völkerrechtsprofessor für ihn schrieb, so gründlich, dass er sich fortan über die Neutralität sachkundig äußern konnte:
Sie ermöglichte meinem Vaterland, sich für Werte und Grundrechte und Verständigung einzusetzen - was den Ideen der Vereinten
Nationen entspricht!

Bis zum heutigen Tag, grad heute in einer so "zerrissenen" Welt mit der Klimaproblematik, Hunger, Armut,
Krieg und Bürgerkrieg, schwersten Menschenrechtsverletzungen, verseuchten Meeren, Corona, viel Haß und viel Unverständnis von
Menschen füreinander, ist das eine bleibend wichtige Aufgabe für uns ALLE geblieben!

In meiner Kindheit gab es in meinem Stadtviertel sehr viele Gärten und hinter unserem Haus, das meine Mutti von meiner Oma und diese
von meiner Uroma geerbt hatte, auch einen großen Garten - mit Campingtisch und Campingstühlen, um sich in die Sonne zu setzen,
etwas später mit einem Schwimmbecken, mit sehr vielen Blumenbeeten und einer Waschküche - ganz wichtig, weil wir in unserer
Wohnung lange keine Waschmaschine und auch kein Badezimmer hatten.

Und in einem Schuppen lag der Koks, dafür bestimmt, die Wohnung warm zu halten. Für Wärme im Herzen sorgte Mutti, die klein und
rundlich war, einen großen Busen, einen großen, vollippigen Mund und ein Herz voll Liebe hatte.

In der Kriegszeit kam sie wegen der
vielen Bomben, die auf meine Heimatstadt Linz/Donau fielen, in ein Dorf - und lernte, zwei Stunden lang zu Fuß in die "ländliche"
Hauptschule zu gehen. Mit meinem Opa stieg sie auf viele, viele Berge.

Sie erlernte Schneidern und Weißnähen - Fähigkeiten, die sie
nutzte, um den Kasperl-Theater-Figuren ihre Kostüme zu schneidern. Nach dem Krieg zogen sie und ihre beste Freundin mit Rucksäcken
umher, um Lebensmittel zu "hamstern". Mutti konnte dichten und selbst Texte schreiben - und bei einem Gedicht, das wer anderer
schrieb,genau beurteilen, ob es sich auch "richtig" reimte und ob, wenn`s in Mundart geschrieben war, DIESE richtig geschrieben war.

Sie ging gern tanzen, in einen Chor und ins Theater - und hatte auch selbst schauspielerische Begabung. Meiner Tante war sie eine
liebevolle große Schwester, meiner Halbschwester, die Vati "mitbrachte", eine liebevolle Ersatzmutti. Viel, viel später wurde aus
Mutti eine begeisterte ehrenamtliche Reisebegleiterin - und brachte Pensionistinnen und Pensionisten nach Finnland und Barcelona,
nach Tunesien und China, ins Trentino und nach Madeira - und auch immer gut zurück!

Und ihre Kinder auf den Lebensweg!
Vati wurde "Ersatzvati" für meinen älteren Bruder, den Mutti "mitbrachte". Er tapezierte und mauerte das Schwimmbecken, er sorgte
für ein Badezimmer, es gab keine handwerkliche Arbeit, die er nicht konnte. Vati hatte Zuckerbäcker gelernt und war sehr stolz darauf,nie
verlernt zu haben, wie Mann eine Semmel macht. In dem Stahlbetrieb VÖEST war er in der Verrechnung des Walzwerks tätig - und
hatte davon zigmal mehr Ahnung als seine Chefs, die ohne sein Wissen aufgeschmissen gewesen wären!

In der Rente angelte er viele, viele Forellen - die dann daheim in die Pfanne kamen! Oder es gab Sauce aus Eierschwammerln("Schwammerl"
sagen wir Österreicher zu Pilzen, und was wir im Wald sammelten, waren Eierschwammerl = Pfifferlinge) und als Nachtisch Heidelbeerstrudel.
Wenn wir die Pilze sammelten, dann auch die Beeren - und auf der Wiese wurde Arnika für Arnikaschnaps gesammelt. Und dort, wo es
diesen gab, Holunder für Holundersaft.

Zu erwähnen sind, gaaanz wichtig, meine Oma, die eine "Bilderbuchoma" war, die mit den Enkerln spazieren ging - und viel Zeit hatte, liebe
Oma zu sein, weil mein Opa, ansonsten Meister beim "Erzeugen" von zwei Sorten Weihnachtskuchen und beim Legen von 1000-Teile-Puzzles,
einkaufte, kochte und die ganze Hausarbeit machte(beim Kochen kannte er sich als gelernter Koch/Kellner und langjähriger Ober in
einem Kaffeehaus bestens aus!), eben mein Opa, meine Tante, die als junge Frau soooo hübsch war, dass ich sie begeistert auf den
Mund küsste - und mein älterer Bruder, der mir beibrachte, über den "Tellerrand" von Schule und Familie zu sehen - und mich zu
Friedensmärschen, (hoffentlich)sozialer Einstellung und Engament für Menschenrechte brachte.

Mein jüngerer Bruder ist die "Hälfte" einer 2-Personen-Musiker-"Gruppe", die in einem Irish Pub auftritt - und sich nicht sicher, ob er
in seiner großen Wohnung lieber eine Modelleisenbahn oder eine Carrera-Autorennbahn haben will! Nicht "vergessen" sollte ich meine
Uroma, die sehr alt wurde: Niemand, dem sie das betroffen sagte, wird je vergessen, als sie uns "Die hab`n den Kennedy umbracht"mitteilte!

Im Kindergarten war ich beim Kinderfasching "Prinz" einer kleinen "Prinzessin", in der Volksschule das erste Mal verliebt. In der Hauptschule
lernte ich viel Allgemeinbildung - und konnte 25 Jahre später zwei von meinen Lehrern sagen, wie gut ich diese Allgemeinbildung gefunden
hatte. In der Musikerziehung lernte ich singen, aber NICHT Noten zu lesen(kann ich bis heute nicht!), wusste dafür aber "alles" über das
Leben von Komponisten.

NACH der Schule führte mich mein Lebensweg zunächst "kreuz und quer", aber schliesslich in die heimatliche Stadtbibliothek, die
für mich begeisterten "Bücherwurm" wie ein zweites Zuhause ist! ("Zuvor" verteilte ich ein paar Jahre lang in meinem Stadtviertel
Prospekte und trug Zeitungen aus - wodurch ich JEDES Haus in meinem nunmehr früheren Heimatviertel genau kenne!)

Ich bin begeisterter mehrfacher Onkel, innerlich jung geblieben und sehe auch, wie auch andere meinen, beileibe (noch) nicht wie
Sechzig aus. (WIE "sieht" "ein 60-jähriger" aus???)


Nach wie vor flirte ich gern mit hübschen Damen (momentan bin ich von einer sehr hübschen und menschlich sehr netten, dazu engagierten
und sachkundigen Pflegefachfrau gaaaanz begeistert) - und sause nach wie vor gern mit kindlicher Begeisterung im Hallenbad die Rutsche
herunter.(Wenn ich nicht Wellnessen oder/und Stadtwandern gehe, ins Museum, Kino oder Theater, zu einem Konzert oder Kabarett,
zu einer Podiumsdiskussion oder Vernissage, wo mir die Bilder ebensogut gefallen wie das Buffet - oder in eine meiner Lieblingsstädte
(Amsterdam, Venedig usw.)reise!)

Niemals werde ich vergessen, wie die hübsche Sängerin Annette Dasch mit dem ganzen Publikum eines Konzertsaals "Guten Abend,
Gut Nacht!" sang - und leider auch nie den ersten Tag des ersten Lockdowns in Österreich!

Auch nie den ersten literarischen Text für das Schreibpodium!

Niemals, wie am Morgen die Sonne aus dem riesigen Bodensee auftauchte - und nie, wie sie am Abend in den Bodensee "plumpste"!

Was ist "jung" und was ist "alt"? Ein Baby nimmt wahr, wenn die Mama liebevoll ist, wenn sie ihren Babybauch streichelt, wenn sie
dem Baby in ihrem Bauch etwas erzählt und vorsingt. Ein Kind kann viel, viel schlauer und aufgeweckter als so manche "Erwachsene" sein!
Viele "heutige" Kinder gehen "heimlich" impfen - weil sie alles, was mit der schrecklichen Covid-Krankheit zu tun hat, oft beträchtlich
besser erfassen, als das eben bei so manchen "Erwachsenen" der Fall ist - von so manchen Politikern ganz zu schweigen!

Dem "Befinden" nach leiden viele sehr junge Menschen an großen seelischen Problemen, an schweren Depressionen und vielem mehr!
Viele, viele Kinder sind weit von einer "unbeschwerten" Kindheit entfernt! Viele dem Kalender nach "junge" Menschen sind "innerlich alt"!

Manche älteren und "alten" Menschen sind kindlich, manche KINDISCH! Nicht wenige sind innerlich jung geblieben! Nicht wenige
sind in der Einsamkeit der Lockdowns vieeeell älter geworden und "verkümmert"! Wie konnte ICH "jung" bleiben? Mental, in meinen
Einstellungen, in MEINEM Verhältnis zum Leben?

Wie konnte ich ein glattes "junges" Gesicht, das "nur" dann "alt" aussieht, wenn ich schlecht drauf und/oder schlecht rasiert bin, eine
pralle Haut, einen "jungen"Geist, "elastische" Lippen behalten? Um noch mit 60 eine gute Kondition zu haben und flott durch mein
Leben zu sausen? (Wenn mich nicht grad wieder mein verschobener Lendenwirbel "heimsucht"!)

"Du bist so jung, wie du dich fühlst!" Jeder wird älter - ALT diejenigen, die es nicht schaffen, innerlich jung zu bleiben - oder denen
das verunmöglicht wird! Für einen einsamen alten Menschen ist es sehr schwer, "jung" zu bleiben! Für einen Menschen, der nicht
geliebt wird, ist es noch schwerer, "jung" zu bleiben! Unter sehr schweren Bedingungen werden kalendermässig junge Menschen äußerlich
alt! Durch Leid und arge Lebens-und Arbeitsbedingungen werden Mitmenschen alt!

Am Ende der Nazi-Zeit verliessen dem Alter nach junge Menschen als "Fast-Skelette" und äußerlich extrem gealtert die Konzentrationslager!
Josephine, die erste Frau Napoleons, verliess als 30jährige ein schreckliches Gefängnis - und konnte, "dank" der schrecklichen Haftbedingungen,
NIE WIEDER Kinder bekommen!

Und was ist mit denen, die dem Lebensalter nach "jung" sind, aber "altes" Gedankengut (mittelalterliches, fundamentalistisches,
ultrakonservatives, nationalsozialistisches...)"pflegen"??

"Nicht dem Leben Jahre, sondern den Jahren Leben geben!" Habe ICH 60 Jahre "verbracht" oder wirklich GELEBT?

Für mich UND für meine Lieben - UND für meine Mitmenschen?

Ich kann also auf 60 Jahre zurückblicken! Weitere 60 werden`s wohl NICHT werden! Obwohl Menschen "heutzutage" sehr alt werden können!
Aber, wie gesagt: Was bedeutet schon "jung" oder "alt"?

Ich hoffe, dass es weitgehend "gute" 60 Jahre waren! Den nächsten (und wann kommt der übernächste???)Lockdown muss ich, müssen wir
"durchstehen"? Für entweder weiteres "Verbringen" - oder weiteres LEBEN!!!
Antworten