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Der letzte Wanderer
Verfasst: Mittwoch 3. Oktober 2012, 15:01
von HansPeter

Der letzte Wanderer
Der Meier Hannes aus Kandern
Tut in den Bergen gerne Wandern
Seit Jahren zieht es ihn hinan
In die Höhe mit der Schwebebahn
Doch kaum ist er oben angekommen
Wird ihm schwindlig ist benommen
Was hier oben er erblickte ist fatal
Menschenmassen in ungeahnter Zahl
Wähnt sich wie am Meeresstrand
Im einst so schönen Bergesland
Musik und Lärm dringt ihm zu Ohren
Nichts von Alpenruhe und Erholen
So zieht er schnell weg von diesem Treiben
Auf steilen Pfaden bergab und über Weiden
Doch auch hier über Stock und Stein
Holt ihn die lärmende Meute ein
Auf Bikes rasen die Verrückten an ihm vorbei
Und maulen dass dies ein Weg für’s Velo sei
Und übrigens hätte er hier nichts verloren
Als einziger Mensch auf Schusters Sohlen
Was waren das doch für schöne Zeiten
Als Wandern noch konnte Freude bereiten
So tut halt heut der Hannes aus Kandern
In seinem Garten um sein Häusle wandern...
© Hans-Peter Zürcher
Re: Der letzte Wanderer
Verfasst: Mittwoch 3. Oktober 2012, 16:09
von HansPeter
Auch wenn ich dieses Gedicht mit Humor geschrieben habe, ist es doch leider so wie ich beschrieben habe und stimmt mich sehr traurig und sehr bedenklich. Seit mehr als 55 Jahren bewandere ich die Bergwelt. Was sich aber dort oben in den letzten Jahrzehnten abspielt, ist ein Trauerspiel sondergleichen. Fun, Spiel und Spaß nennt sich dieses Gebaren. Mounterbikes und Trottinet, Seilrutschen und Gleitschirme sind nur ein Teil dieser bedenklichen Entwicklung, laute Musik dröhnt auf den Terrassen der Bergrestaurants einem entgegen, für die Skipisten werden ganze Berghänge und Alpweiden umgebaggert. Auf den letzten Wanderwegen wird man von Bikern schon fast überfahren, Abfälle schmeißt man einfach weg oder stopft sie in die Löcher von Murmeltierhöhlen. Nicht nur der Alpenraum, nein, auch in den Wäldern und auf den Feldern benimmt sich die Spezies Mensch,. als ob ihr all das gehört, was einst Natur bedeutet hat. Hauptsache ist, dass man Spaß und Unterhaltung findet. Anstand, Wertschätzung, Respekt und Ethik wurden zu Fremdwörtern degradiert. Aber wehe wenn sich die Natur zu rächen beginnt, dann wird von Katastrophen geredet, aber keiner dieser „Spaßvögel“ bekennt sich selbst zu den Machern dieser Katastrophen. Das hat in unserer Konsum- und Spaßgesellschaft keinen Platz, Hauptsache ist doch, dass erst mal die Anderen sich als Vorbild ändern sollen, schließlich leben wir ja nur ein Mal... und Die, die nach uns kommen???
Herzlichst Hans-Peter