Ein ungewöhnlicher Gottesdienst
Verfasst: Dienstag 11. Januar 2011, 22:59
Sie sitzt in der Kirchenbank und eine Welle von Geborgenheit geht von ihr aus. Ich seh sie an. Wie schön sie ist! Viele Falten und Fältchen ummalen Augen, Mund und Nase. Wie spitzbübisch sie ausschaut! Zugleich kindlich und weise. Wie alt mag sie sein? Siebzig oder achtzig Jahre? Hier ist von Jugendwahn nichts zu spüren. Ruhe geht von diesem Gesicht aus. Es ist, als würde es von innen heraus glänzen. Als wäre ein Licht in ihr verborgen, das sich seinen Weg durch ihre Augen ins Freie bahnt. Sie wirkt nicht gebrechlich, nein, sie ist trotz ihres Alters voller Schwung und Elan.
Jedes Fältchen steht für eine Zeitspanne ihres Lebens.
Die Augen lachen fröhlich in die Welt und die Lachfältchen rahmen sie ein. Doch da sind tiefe Furchen in ihrem Gesicht. Sie sprechen eine andere Sprache. Leid und Trauer blieben dieser Frau nicht erspart. Doch gerade das hat sie geprägt. Da sind noch Spuren des letzten Krieges. Da ist ein Mann, der nicht mehr an ihrer Seite geht. Wenn die Falten in ihrem Gesicht reden könnten, sie hätten viel zu erzählen.
Sie würden von DEM erzählen, der sie gezeichnet hat, von ihrem Schöpfer. Und die Frau würde dazu lächeln und sagen: "Wo die Last zu schwer war, da hat er mich getragen!"
Die Predigt heute kommt aus einem lieben, kleinen und schönen Gesicht und ich bin erfüllt von ihrer Aussagekraft.
Gerührt nehme ich das unbekannte, überraschte Frauchen nach dem Gottesdienst in meine Arme und wünsche ihr einen gesegneten Sonntag.
C. Sabine Brauer
Jedes Fältchen steht für eine Zeitspanne ihres Lebens.
Die Augen lachen fröhlich in die Welt und die Lachfältchen rahmen sie ein. Doch da sind tiefe Furchen in ihrem Gesicht. Sie sprechen eine andere Sprache. Leid und Trauer blieben dieser Frau nicht erspart. Doch gerade das hat sie geprägt. Da sind noch Spuren des letzten Krieges. Da ist ein Mann, der nicht mehr an ihrer Seite geht. Wenn die Falten in ihrem Gesicht reden könnten, sie hätten viel zu erzählen.
Sie würden von DEM erzählen, der sie gezeichnet hat, von ihrem Schöpfer. Und die Frau würde dazu lächeln und sagen: "Wo die Last zu schwer war, da hat er mich getragen!"
Die Predigt heute kommt aus einem lieben, kleinen und schönen Gesicht und ich bin erfüllt von ihrer Aussagekraft.
Gerührt nehme ich das unbekannte, überraschte Frauchen nach dem Gottesdienst in meine Arme und wünsche ihr einen gesegneten Sonntag.
C. Sabine Brauer