Es war ein kühler Sommerabend.
Ich saß mit meiner Freundin am See, wir hatten ein Zelt aufgeschlagen und ein Lagerfeuer angezündet.
Wir wollten unser dreimonatiges Jubiläum an dem Ort verbringen, an dem wir uns zum ersten Mal alleine getroffen hatten.
Es wurde an dem Abend erst sehr spät dunkel, aber seit einigen Stunden sah man viel weniger Leute den Spazierweg vom See entlang gehen. Ab und zu mal ein Paar Jogger oder Leute mit ihren Hunden.
Es war ein ruhiger Abend.
Gegen 22:30 setzen wir uns vom Wasser weg, in unser Zelt hinein, denn uns war kalt geworden.
Ich vertraute ihr, und glaubte ihr alles was sie mir an diesem Abend sagte, denn es gab keinen Grund für mich, ihr nicht zu glauben.
Wir verbrachten den ganzen Abend damit zu reden, über ganz gewöhnliche Sachen, aber auch über Dinge, die wahrscheinlich nur wir lustig und interessant fanden.
Am Tag darauf, bauten wir unser Zelt ab und gingen nach Hause.
Wir beide wussten das wir uns bald wiedersehen würden, denn wir konnten keinen Tag aushalten, ohne uns mindestens einmal gesehen zu haben.
Wir lebten unseren Alltag, wir gingen zur Schule, machten unseren Sport, lernten. Aber wir nahmen uns trotz allem immer noch Zeit für einander.
So ging es einige Wochen weiter.
Alles war normal, und wir glücklicher als je zuvor.
Doch mit einem Tag änderte sich alles.
Sie fing an mir immer fremder zu werden.
Dinge die sie einst mochte, störten sie.
Dinge die sie gesagt hatte, interessierten sie nicht mehr.
Ich dachte es würde nach ein Paar Tagen wieder normal werden. Es sei nur eine Phase.
Aber damit irrte ich mich.
Wir waren noch immer ein Pärchen, doch das viermonatige Jubiläum verbrachten wir getrennt. Wir sprachen auch nicht mehr so oft wie früher, und wir redeten auch anders als vorher.
Ich traute mich nicht anzusprechen was mir auf der Seele lag. Die Angst sie damit wütend zu machen, und sie vielleicht zu verlieren hinderte mich daran.
Das war es was mich hoffen ließ das es wieder normal wird.
Wieder einige Tage später, hatten wir so gut wie gar keinen Kontakt mehr zueinander, obwohl keiner von uns beiden Schluss gemacht hatte.
Meine Hoffnung das wieder Normalität einkehrt sank von Stunde zu Stunde, in der ich nichts von ihr hörte. Deshalb fing ich an nachzuforschen.
Ich fragte ihre beste Freundin, mit der ich mich eigentlich gut verstand.
Ich fragte auch ihre Schwester. Doch beide konnten oder besser gesagt wollten mir nicht sagen was los war, denn ich glaube ihnen nicht das sie von nichts wussten.
Jeder Tag glich dem vorherigen und ich geduldete mich wieder einmal und hoffte das eine der beiden, wenn nicht sogar beide zur Besinnung kamen und mir doch noch etwas verrieten. Fehlanzeige.
Nachdem sie nun nicht einmal auf Anrufe oder die Türklingel reagierte kam ich auf die Idee, zu warten bis sie das Haus verließ, und ihr dann zu folgen. Ich wollte einfach nur Klarheit.
Ich besprach alles mit meiner besten Freundin, die ich leider nur über das Internet kannte, der ich aber mehr vertraute als allen anderen, sogar mir selbst.
Sie hielt die Idee für gut, und das gab mir den letzten Anstoß, sie in die Tat umzusetzen.
Eines Tages stand ich nun dort, 25 Meter von ihrem Haus entfernt auf der anderen Straßenseite, neben dem Roller eines Kollegen.
Ich wartete.
Nach 3 Stunden, kurz bevor ich nach Hause fahren wollte, öffnete sich die Tür, und sie verließ das Haus.
Sie war schöner als ich sie in Erinnerung hatte. Und sie war so in ihr Handy vertieft, wie ich es noch nie bei ihr gesehen hatte.
Ihr Weg führte sie zur Bushaltestelle. Mit dem Kopfhörern im Ohr bemerkte sie den Roller wahrscheinlich nicht auf dem ich saß.
Ich wartete einige Meter von der Haltestelle entfernt, und wartete ab, in welchen Bus sie stieg. Es war der in Richtung Stadt.
Ich fuhr dem Bus hinterher und wartete bis sie ausstieg.
An der vorletzten Station verließ sie den Bus und ging in Richtung Eiscafé.
Ich stellte den Roller gegenüber des Eiscafés ab und schaute rüber zu ihr, behielt den Helm aber an. Aber ich glaube sie hätte mich auch ohne den Helm nicht bemerkt.
Sie saß dort, und sie war noch immer in ihr Handy vertieft.
Bis auf einmal ein Junge auf sie zu ging. Erst da stand sie auf. Sie umarmte ihn zur Begrüßung und sie setzten sich wieder.
Ich konnte das Gesicht des Jungen nicht erkennen, aber an ihrem Gesicht sah ich das sie glücklich war. Sie lachte und redete viel, so wie es früher bei uns gewesen ist.
Ich wollte eigentlich wegfahren, denn es tat mir verdammt weh sie so zu glücklich zu sehen mit einem anderen Jungen, obwohl wir noch immer ein Pärchen waren.
Aber irgendwas hinderte mich daran einfach abzuhauen.
Wahrscheinlich weil ich wissen wollte wer der Kerl war.
Dann, ungefähr 45 Minuten später standen sie auf, und er drehte sich endlich so, dass ich ihn sehen konnte.
Es war ein Junge von meiner Schule, ich kannte ihn nicht besonders gut, aber das wollte ich auch nicht, denn er fühlte sich wie ein König. So was kann ich gar nicht leiden.
Und nun war er an meiner Freundin dran.
Ich startete den Roller und fuhr zu den beiden rüber, und stellte mich quer vor sie.
Ich beachtete den Jungen kaum, sondern sprach nur mit dem Mädchen, das ich einst über alles geliebt hatte.
Ich fragte sie warum sie das machte.
Warum sie nicht mehr auf meine Versuche Kontakt zu ihr aufzunehmen reagierte.
Weshalb sie sich so verändert hatte und warum sie nicht einfach sagte was los ist, oder mit mir Schluss machte.
Aber sie wich allen Fragen aus und wollte keine Antworten geben.
Ich merkte das es ihr unangenehm war, und das sie am liebsten direkt verschwinden würde. Doch ist stand ihr und dem Jungen im Weg.
Es herrschte einen Moment lang schweigen, bis plötzlich der Junge sagte „Sie gehört jetzt mir, sieh es ein!“
Ich stieg vom Roller, und schlug ihm einfach nur, ohne ein weiteres Wort zu verlieren ins Gesicht, sodass er anfing zu bluten.
Und bevor ich wegfuhr sagte ich ihr noch „Ich gebe dir 2 Tage um dich bei mir zu melden, damit wir uns aussprechen können, ansonsten war es das!“
Ich verschwand.
2 Tage später, schaute ich noch immer auf mein Handy, von dessen Hintergrund ihr Bild nun verschwunden war, und wartete darauf das sie sich meldet.
Ich merkte schnell das es verschwendete Zeit war, denn warum sollte sie sich, nachdem ich ihr die letzten Wochen auch egal war, bei mir melden.
Am Morgen des dritten Tages war es für mich vorbei.
Sie hatte sich nicht gemeldet. Wahrscheinlich hatte sie nicht einmal an mich gedacht.
Ich war ihr egal geworden.
Also schrieb ich sie an, obwohl ich wenig Hoffnung hatte das sie mir antwortet.
Trotzdem, ich schrieb ihr das es für mich vorbei sei, und sie machen soll was sie will. Ich wollte nichts mehr von ihr hören.
Ich fühlte mich benutzt.
Die einzige Person die alles wusste und die mir half war meine beste Freundin.
Und obwohl sie nicht da war, bei mir, kam es mir so vor als würde sie mich immer dann in den Arm nehmen wenn ich es brauchte.
Ich wollte auf die Nachricht die ich ihr gesendet hatte eigentlich keine Antwort, denn ich hatte mit ihr abgeschlossen.
Aus diesem Grund war ihr überrascht als ich einige Tage später eine Nachricht von ihr in meinem Posteingang fand.
Sie schrieb das sie mich zurück haben wollte. Das es alles ein Fehler war. Das sie mich noch immer liebt und ich der einzige für sie war.
Doch da war es schon zu spät.
Und die letzten Worte die zwischen uns ausgetauscht wurden waren „Es ist zu spät! Ich liebte dich!“
P.S. Ich liebte dich
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