Beethovens neue Duette

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sonnenfisch
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Beethovens neue Duette

Beitrag von sonnenfisch »

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Beethovens neue Duette
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(1)

Ludwig van Beethovens
neue Duette für
Violoncello und Klavier
begeistern mich
heute aufs
Neue!
Welche Ebenbürtigkeit
unterschiedlichst gearteten Seins!

Des Dialoges Virtuositäten
sie wissen und
wagen:
nicht führte das Cello im Duett,
auf dass das Klavier nur sekundierte
- noch dominierte die schwarz-weiße Tastatur,
auf dass der Bogen Beiwerk nur wäre -
nein: dialoghaft
sie einander begegnen
als gleichgewichtige Geister:

(2)

das Tonnenschwere auf Rollen ... und das
Luftig-Leichte zwischen den Knieen!

eines horizontal die Saiten,
flügelförmig und festlich schwarz-
glänzend sein mächtiges
Gehäuse,
auf einem Trio
von Säulen,
... vertikal das andere die Saiten
auf fraulichem Korpus
mit langem Hals
und lockigem Kopf,
die Beine vereint zu einem!

dort weit geöffnet der
imposante
Deckel, im spiegelnden Licht
... hier stets offen
musisch geschwungene Lippen!

dort liegen
der Halbtöne Körper von
mehr als sieben Oktaven
immer schon
fertig bereitet:
für einhundert Töne beinah:
eine, zwei oder drei der Saiten
... hier bilden vierer Finger Griffe
virtuos auf einem
Quartett von Saiten
all die Leiber der Töne,
die gerufen!

traumwandlerisch
ein tanzender Bogen
im Cello die
himmlischen Klänge
erweckt
... im Piano
die göttlichen Töne
flugs inkarnieren
durch der Hämmerchen Schläge,
die von allen Fingern artistisch behende
via die Tasten
gegen die Saiten geschnellt!

(3)

Pianoforte und Violoncello:
Antipoden sind sie einander.
Und, aus den
Genien des Menschen geboren,
begegnen
sie einander
als Ebenbürtige - wenn
dialogische Duette sie wissen
und wagen:
sokratische Duette sich
selbst erfindender Götter!

(4)

Beethovens neue Duette: Sternstunden
des Maestros
in jenen Jahren der Befreiung
vom napoleonischen Joch:

Sternstunden der Menschheit auf ihrem
Weg, sich
selbst zu erschaffen!





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(c) .. August Sonnenfisch, 12.1997 ff

Ludwig van Betthoven (1770-1827) komponierte drei seiner
"Sonaten für Klavier und Violoncello" zu Beginn des 19. Jahrhunderts:
es sind dies 1807/8 die dritte (op. 69),
1815 die vierte und fünfte (op. 102, Nr. 1 und 2):
das Bahnbrechende an diesen Sonaten ist die Gleichgewichtigkeit
der Duettinstrumente.
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